26H-1615 Iraner*innen: Die Menschen abseits der Nachrichtenbilder
Hassan ist Bauer und lebt in der iranischen Provinz Khorasan. Dort ist der Boden trocken und die Ernte karg. Hassan kann sich nicht daran erinnern, dass es seiner Familie jemals gut ging – weder zur Zeit des Schahs noch seit dem Bestehen der Islamischen Republik. Für arme Menschen wie ihn spielt es keine Rolle, wer in Teheran regiert.
Akbar ist Kampfsportler und Eventmanager. Bis 2015 organisierte er geheime Techno-Partys in der Wüste. Als solche Veranstaltungen für Akbar und seine Gäste zu gefährlich wurden, verlagerte er sie nach Goa im Westen Indiens. Akbars Techno-Freunde aus dem reichen Norden Teherans können es sich leisten, dorthin zu reisen.
Parvin ist Schauspielerin und spielt in einer iranischen TV-Serie mit. Ihr Bekannter Azad ist kürzlich von Großbritannien nach Iran zurückgekehrt – der kranken Mutter wegen. In einem Cafe erzählt der Regisseur, dass er erstmals beim Erschad, dem Ministerium für Kultur und Islamische Führung, das Script für ein Theaterstück eingereicht hat. Beim Ministerium wird man nun prüfen, ob die geplante Inszenierung versteckte politische Botschaften oder religiöse Kritik enthält, die Bekleidungsvorschriften für Schauspielerinnen gewährleistet sind und die Islamische Republik nicht negativ dargestellt wird.
Nader ist Rentner in Teheran. Im Museum für zeitgenössische Kunst verdient er sich ein Zubrot als Aufsicht. Um sich mit ausländischen Besuchern unterhalten zu können, hat er Englisch gelernt. Naders Lieblingsschriftsteller ist Heinrich Böll. Er hat alle ins Persische übersetzten Werke des deutschen Literaturnobelpreisträgers gelesen. Ansichten eines Clowns ist Naders Lieblingsbuch.
Die kleine Zarah spricht Englisch wie man es sonst nur im Süden der Vereinigten Staaten hört. Gelebt hat sie dort nie. Weil ihre Eltern aber den Klang der amerikanischen Sprache lieben, haben die nach einer geeigneten Privatlehrerin für Zarah gesucht. Das sei selbst in Teheran nicht leicht gewesen, erzählen sie.
Keyvan Saket ist einer der großen Musikvirtuosen Irans. Mit seiner Langhalslaute gibt er auch im Ausland Konzerte. 2015 musste Saket eine Europatournee abbrechen, nachdem Islamisten den Konzertsaal Bataclan und andere Orte in Paris mit Terror überzogen hatten. In einem Instagram-Video, aufgenommen im Juni 2025, sieht man den Musiker apathisch durch seine zerstörte Wohnung in Teheran wanken. Zuvor hatte eine israelische Rakete das Haus eines Nachbarn getroffen.
Das sind einige wenige Geschichten über Menschen, die der Fotograf und Autor Bernd G. Schmitz während seiner sechs Iranreisen traf. Sie bilden den roten Faden des Vortrags, der - neben Bildern - auch kurze, mit Musik unterlegte Filmsequenzen beinhaltet.
Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten
der Geschäftsstelle:
Mo, Mi, Do · 9.00–12.00 + 14.00–16.00 Uhr
Di · 10.00–12.00 Uhr
Fr · 9.00–12.00 Uhr
Categories
Sessions
| Date | Zeit | Location |
|---|---|---|
| Di, 10.11.2026 | 18:30 - 20:00 | Same as course |